Thema: elly lapp, sängerin
Auf den ersten Blick wirkt sie - besonders auf der Bühne - wie eine
Femme fatale persönlich. Unnahbar, lasziv und irgendwie aus den
30er Jahren nur per Zufall in das 21. Jahrhundert gespült.
Zwei persönliche Sätze und alles ist anders. Elly Lapp ist charmant,
offen, zurückhaltend - fast scheu und auch sehr direkt.
Unverändert bleibt ihre Stimme. Eine Stimme, deren Klang sich
einprägt. - Erinnerung an die ARD-Kultserie "Kir Royal" von Helmut
Dietl. Elly Lapp sang den Titelsong, begleitet von Konstantin Wecker.
Bereits mit 16 tritt sie mit "Jud‘s Gallery" im Vorprogramm so
legendärer Gruppen wie "Golden Earring" und "Ekseption" auf.
Eine Rock-Karriere scheint vorprogrammiert. Doch Elly Lapp geht
einen anderen Weg. Sie lässt es cool angehen, beendet ordentlich die
Schule und macht dort weiter, wo sie hin will: auf die Bühne. Vier
Jahre besucht sie die Schauspielschule und weiß nach erfolgreichem
Abschluss 1985, was auf den Brettern, die die Welt bedeuten können,
tatsächlich verlangt wird.
Gleich für ihr erstes eigenes Programm erhält sie den Mannheimer
Theaterpreis.
Sie geht auf die Reise durch die Genres: Blues, Jazz, Musical, Rock
und Chanson. Bei den frechen, frivol leichten und doch bissigen
Songs der Zwanziger, Dreißiger und Vierziger bleibt sie hängen.
Die aufmüpfigen Balladen, weltbekannten Musicalmelodien und
ihre eigenen Kompositionen sind voller Sinnlichkeit und passen zu
Elly Lapp wie das Galakleid einer Nachtclub-Diva. Die singende
Schauspielerin durchlebt ihre Lieder, nichts ist Routine. In zahllosen
Live-Auftritten reift ihr Stil, alle Genres in einer Quintessenz zu
vereinen. Jedes Stück wird im Dialog mit dem Publikum stets neu
beseelt; mal sanft, mal streng - mal laut, mal geflüstert.
Heute ist Elly Lapp ein eindrucksvoll anderes, aber großes
Aushängeschild für die sogenannte Metropolregion Rhein-Neckar.
Eine Chansonnière badischer Prägung mit internationalem Herz.
Mit ihren Chanson-Programmen singt sie sich in die Herzen ihrer
Fans, und fasziniert immer wieder durch ihre perfekte, charismatische
Bühnenauftritte und die laszive Art bekannter Lieder. „Lili Marleen"
singt sie nicht nur - sie ist Lili für wenige Minuten.
Ihre Musik läuft in Sendern in Kanada, Australien und ganz Nord-
Amerika. Im April 2004 war sie Künstlerin des Monats bei "Radio
Herz" in Kanada. Im Oktober 2004 gastierte sie in Südafrika. In
Mannheim, wo ihr Herz schlägt, ist sie bis heute ein Geheimtipp.
Zwischen zwei Auftritten in der Schweiz und in Hannover hat
Elly Lapp aufgeschrieben, was sie zu Mannheim bewegt.
Elly Lapp im Originalton - Die vom Drachentöter beschützte Diva
schreibt über Mannheim:
„Ich bin seit 1988 in Mannheim. Immer wieder fielen mir schöne
Gebäude auf. Regelrecht verliebt habe ich mich in eine schöne alte
Jugendstilvilla in der Oststadt gegenüber vom unteren Luisenpark
mit seinen vielen Kastanien- und anderen hohen Bäumen.
Seit 1993 lebe ich jetzt in diesem Haus und habe mir mein Paradies
geschaffen. Zahlreiche in Sandstein gehauene Gesichter und Figuren
zieren dieses Haus. Eine große Skulptur des Drachentöters mit Speer
und Schild wacht über dem Eingangsbereich und gibt mir hier ein
besonders behütetes Gefühl. So war es wohl die Liebe zu diesem
Haus, die mich hier hielt und mich Wurzeln schlagen ließ. Hier habe
ich viel Freiraum für mich und meine Arbeit. Ich bin mein eigener
Herr. Hier fühle ich mich wohl - "My home is my castle".
Nach und nach lernte ich all die anderen Vorzüge dieser Stadt
kennen und auch die Menschen Mannheims. Zunächst manchmal
erschreckt durch die extrem ehrliche Art, kernige Formulierungen
und Aussprache, habe ich sehr bald gemerkt, dass es hier Menschen
gibt, mit denen man Pferde stehlen kann. Die äußerst starke
Verbundenheit der Mannheimer mit ihrer Stadt ist ansteckend.
Natürlich gibt es in Mannheim auch Dinge, die ich bis heute nicht
nachvollziehen kann. Zum Beispiel die angeblich so logische Auf-
teilung der Innenstadt in Quadrate wird für mich wohl immer ein
Rätsel bleiben.
Mannheim hat viele Gesichter. Einen besonderen Charme bietet
der Wasserturm und seine Umgebung mit den wunderschönen
Arkaden. Für meinen Geschmack haben die Planken in letzter
Zeit von ihrem Reiz verloren. Schöne Geschäfte verschwinden
immer mehr und es entstehen immer mehr Billigläden.
Als leidenschaftliche Motorradfahrerin schätze ich die Nähe zur
Pfalz und zum Odenwald, weil es hier endlose Ziele für schöne
Motorradtouren gibt.
Aus beruflicher Sicht freut es mich, dass sich Mannheim immer
mehr zu einer Metropole für Musikschaffende entwickelt. Ein
Heer an exzellenten Musikern bietet mir in Mannheim eine ideale
Plattform für musikalische Projekte. Bemerkenswert finde ich
jedoch die Tatsache, dass mir Städte im Ausland (Johannesburg,
Caracas, Tirana, Dürres, New Yorck etc.) mehr Auftrittsmöglich-
keiten anbieten als Mannheim. Schade, wie ich finde."
(Herbert Rabl)
aus "Wir sind Mannheim" (c) Wellhöfer Verlag